This paper investigates the impact of aid for trade (AfT) targeted at trade policies on the participation of recipient countries in global value chains (GVCs), and how this impact varies with their prevailing political regimes. In democratic countries, the need for the authorities to account for the interests of various stakeholders (e.g., lobbies, trade unions) can compromise the allocation, use, and effectiveness of AfT. In contrast, less democratic regimes are typically more insulated from political pressures, which may lead to more effective outcomes of aid. At the same time, integration into some complex GVCs requires efficient and democratic institutions, to which these products are sensitive. Employing a sample of 110 countries and data covering 2002-2018, we control for standard determinants of GVC participation, while examining the effect of AfT and the moderating role of the political regime in place. Our estimation addresses the endogeneity of aid through an appropriate instrumentation strategy. Our results suggest that the effect of AfT is mostly positive in autocratic regimes, indicating more effective trade policy reforms. When we account for regional disparities, we find evidence that AfT for trade policy is also impactful in some democratic regimes. This might suggest that the efficacy of AfT is not strictly regime-dependent, but hinges on the government’s commitment to carry out significant reforms leading to greater participation in the global economy.
Many colonies in Africa attained independence through negotiated settlements. However, several others engaged in armed liberation struggles, for example, Kenya, Namibia, South Africa, Southern Rhodesia (Zimbabwe), and the Portuguese colonies of Angola, Cape Verde, Guinea Bissau, Mozambique, and São Tomé and Príncipe. Newly independent states provided liberation movements with bases on their territories and political, military, intellectual, ideological, material, and moral support. In West Africa, Ghana’s first president, Kwame Nkrumah, a notable pan-Africanist, declared in his Independence Day speech in 1957, “Our independence is meaningless unless it is linked up with the total liberation of the African continent.” In East Africa, Julius Nyerere and Jomo Kenyatta, the first presidents of independent Tanzania and Kenya respectively, showed similar commitment to Pan-Africanism and anticolonialism by hosting refugees fleeing armed struggles in Southern Africa. Tanzania hosted the Organization of African Unity Liberation Committee supported anticolonial resistance and liberation movements. President Nyerere supported them for “challenging injustices of empire and apartheid” and declared, “I train freedom fighters”. He encouraged Tanzanians living around liberation movement camps to welcome these movements and their freedom fighters and also protect them from agents of colonial governments. Support also came from many other countries on the continent including Nigeria, Ethiopia, and Algeria. The latter provided sanctuary to representatives of liberation movements such as Nelson Mandela of the African National Congress (ANC) in South Africa.
Steuervergünstigungen sind ein zentrales Instrument der Schweizer Steuerpolitik. Obwohl sie sowohl auf Bundes- als auch auf Kantonsebene in breitem Umfang zur Verfolgung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Ziele eingesetzt werden, sind ihre fiskalischen Kosten, ihre Wirksamkeit und ihre Verteilungsfolgen bislang nur teilweise dokumentiert. Der vorliegende Bericht gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Berichterstattung, Quantifizierung, Evaluierung und Reform von Steuervergünstigungen in der Schweiz.
Gemäss den verfügbaren Daten liegen die jährlichen Mindereinnahmen aufgrund von Steuervergünstigungen des Bundes bei mehr als 24 Milliarden Franken. Diese Zahl ist allerdings mit grosser Vorsicht zu interpretieren. Sie beruht auf veralteten und unvollständigen Informationen und dürfte eine Untergrenze der tatsächlichen fiskalischen Kosten der Steuervergünstigungen des Bundes darstellen. Der letzte umfassende Bericht des Bundes zu Steuervergünstigungen wurde 2011 von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) veröffentlicht, wobei viele der damaligen Schätzungen der Mindereinnahmen ihrerseits aus einer noch älteren Studie der ESTV von 2009 stammten, die auf Steuerdaten des Kantons Bern beruhte und auf die übrige Schweiz hochgerechnet wurde. Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat in seinem Bericht «Staatlicher Fussabdruck» von 2021 eine Kombination aus aggregierten Schätzungen und Zahlen für einzelne Vergünstigungen für das Jahr 2019 publiziert. Die Zahlen enthalten neue Angaben für einige Steuervergünstigungen, namentlich im Bereich der Mineralölsteuer und weiterer Verbrauchssteuern sowie der Automobilsteuer und der Nationalstrassenabgabe. Der grösste Teil der Daten beruht jedoch auf den 2011 veröffentlichten Angaben. Der Bericht beziffert die gesamten jährlichen Mindereinnahmen aufgrund von Steuervergünstigungen auf über 24 Milliarden Franken.
Die Studie von 2011 beinhaltet eine detaillierte Erörterung des Referenzsystems, das der Klassierung von Steuervergünstigungen in der Schweiz zugrunde liegt. Die Definition dieser Benchmark ist in Bezug auf Steuervergünstigungen von zentraler Bedeutung, da diese als Abweichung von einem Referenzsystem definiert sind. Interessanterweise – und im Gegensatz zu den meisten Ländern weltweit, die sich in erster Linie auf bestehende Rechtsvorschriften stützen – wird das Referenzsystem für direkte Steuern in der Schweiz auf der Grundlage von zwei theoretisch fundierten Benchmarks definiert: einem einkommensbasierten und einem alternativen konsumorientierten Referenzsystem.
Der Mangel an verlässlichen und aktuellen Informationen ist angesichts des rechtlichen Rahmens für direkte Subventionen und Steuervergünstigungen besonders problematisch. Artikel 7 des Bundesgesetzes über Finanzhilfen und Abgeltungen (Subventionsgesetz, SuG) hält fest, dass auf Finanzhilfen in Form von steuerlichen Vergünstigungen in der Regel verzichtet werden sollte. In seiner Botschaft von 1986 warnte der Bundesrat ausdrücklich davor, dass Steuervergünstigungen die Steuergerechtigkeit untergraben, die demokratische Kontrolle einschränken und sich einer systematischen Überprüfung entziehen können, weil ihre finanziellen Auswirkungen oft schwer zu quantifizieren sind. In diesem Kontext verpflichtet Artikel 5 SuG den Bund, im Rahmen der periodischen Prüfungen von Subventionen alle sechs Jahre über Steuervergünstigungen zu berichten. Diese Vorgabe bleibt unerfüllt. Der Bundesrat, das Parlament und die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) haben wiederholt auf diese Problematik hingewiesen. Dessen ungeachtet wurde bislang kein Rahmen für eine regelmässige und institutionalisierte Berichterstattung geschaffen.
Die aktuelle Schätzung von über 24 Milliarden Franken erfasst nur die Steuervergünstigungen auf Bundesebene, nicht aber die fiskalischen Kosten der kantonalen Steuervergünstigungen. Auf subnationaler Ebene ist die Berichterstattung noch begrenzter als beim Bund: Es liegen nur zwei nennenswerte Schätzungen vor – eine Studie der ESTV von 2011 zu einkommensteuerbezogenen Steuervergünstigungen im Kanton Zug sowie eine 2025 vom Kanton Zürich veröffentlichte Untersuchung der Steuervergünstigungen, ebenfalls mit Fokus auf die Einkommensteuer. Kein Kanton verfügt über einen institutionellen Rahmen für eine regelmässige Berichterstattung zu Steuervergünstigungen. Darüber hinaus liegen weder auf Bundes- noch auf Kantonsebene Schätzungen zu Steuervergünstigungen bei der Gewinnsteuer vor, obwohl steuerliche Anreize in diesem Bereich immer wichtiger werden.
Die begrenzten verfügbaren Daten von 2011 deuten darauf hin, dass die Steuervergünstigungen des Bundes stark konzentriert sind. 16,1 Milliarden Franken – rund 63 Prozent der insgesamt ausgewiesenen Mindereinnahmen des Bundes – entfallen auf die zehn grössten Vergünstigungen. Die grösste Einzelvergünstigung ist der Einkommensteuerabzug für die obligatorischen Beiträge an die zweite Säule der Alterssicherung (Pensionskasse), der auf jährlich 3,5 Milliarden Franken geschätzt wird. Weitere bedeutende Vergünstigungen sind der reduzierte Mehrwertsteuersatz auf Nahrungsmittel, Pflanzen und Druckerzeugnisse (2,2 Milliarden Franken), die Mehrwertsteuerbefreiung für Verkauf und Vermietung von Immobilien (2,0 Milliarden Franken) sowie die Mehrwertsteuerbefreiung für Dienstleistungen im Gesundheits- und Sozialwesen (1,9 Milliarden Franken).
Der Mangel an belastbaren Informationen beeinträchtigt nicht nur die Transparenz, sondern auch die Evaluierung der Wirksamkeit von Steuervergünstigungen. Die Schweiz liegt in diesem Bereich deutlich hinter internationalen Standards zurück. Es gibt derzeit keinen formellen Rahmen für die Evaluierung von Steuervergünstigungen mit Leitlinien für Ex-ante-Beurteilungen, Ex-post-Evaluierungen, Governance und Datenaustausch. Für politische Entscheidungen fehlt damit häufig die nötige Evidenz, um zu beurteilen, ob Steuervergünstigungen ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen und die angestrebten Ziele erreichen – oder ob sie unwirksam bzw. zu teuer sind und unbeabsichtigte verteilungspolitische und wirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringen. Die Kombination aus schwacher Berichterstattungspraxis und beschränktem Zugang zu administrativen Steuerdaten hat zu einem bemerkenswerten Mangel an offiziellen Ex-post-Evaluierungen beigetragen.
Etwas ermutigender ist die Situation bei den Ex-ante-Beurteilungen. Bundesbehörden erstellen regelmässig Ad-hoc-Analysen zur Beantwortung parlamentarischer Anfragen und im Hinblick auf Gesetzesinitiativen. Diese Analysen liefern wertvolle Informationen über die erwarteten fiskalischen und wirtschaftlichen Auswirkungen vorgeschlagener Reformen der Steuervergünstigungen und spielen eine wichtige Rolle für die politische Debatte.
Steuervergünstigungen stehen in der politischen Debatte und auf der Reformagenda weiterhin weit oben. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Gesetzesinitiativen zu reduzierten Mehrwertsteuersätzen, Abzügen bei der Einkommensteuer, Befreiungen von der Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie Anreizen bei der Gewinnsteuer. Beispiele sind die Verlängerung des Sondersatzes der Mehrwertsteuer für Beherbergungsleistungen bis 2035 (vom Nationalrat soeben abgelehnt, nun beim Ständerat), wiederholte Debatten über die Abzugsfähigkeit von Kinderbetreuungskosten und Beiträgen an die Säule 3a sowie Diskussionen über kantonale Befreiungen von der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Im Bereich der Gewinnsteuer veranschaulicht die Einführung von Patent-boxen und Sonderabzügen für Forschung und Entwicklung auf Kantonsebene die Dynamik zu Steuervergünstigungen über verschiedene Staatsebenen hinweg – in diesem Fall ausgelöst durch das Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF).
Peter Hongler ist Professor für Steuerrecht an der Universität St. Gallen.
Agustin Redonda ist Senior Fellow beim Council on Economic Policies (CEP). Er ist Mitbegründer und Co-Direktor des Tax Expenditures Lab, das die Global Tax Expenditures Database (GTED) und den Global Tax Expenditures Transparency Index (GTETI) publiziert.
Tax expenditures (TEs) constitute a key instrument in Swiss fiscal policy. Although they are widely used at both the federal and cantonal levels to pursue economic, social, and environmental objectives, their fiscal cost, effectiveness, and distributional consequences remain only partially documented. This report reviews the current state of TE reporting, estimation, evaluation, and reform in Switzerland.
The available evidence suggests that annual revenue forgone from federal TEs amounts to more than CHF 24 billion. However, this figure should be interpreted with great caution. It is based on outdated and incomplete information and likely represents a lower-bound estimate of the true fiscal cost of federal TEs. The latest comprehensive federal TE report was published by the Federal Tax Administration (FTA) in 2011, while many of the underlying revenue forgone estimates were themselves derived from an even older study conducted by the FTA in 2009 using tax return data from the canton of Bern and extrapolated to the rest of the country. More recently, the State Secretariat for Economic Affairs (SECO) published a combination of aggregate and provision-level estimates for 2019 in its 2021 report on the “State Footprint”. The figures included new estimates for some TE provisions, namely for TE granted through the mineral oil tax and further excise taxes as well as the vehicle tax and the national road tax. Yet, most of the data was based on the estimates published in 2011. The report estimated the overall yearly revenue forgone stemming from the use of TEs at more than CHF 24 billion.
The 2011 report provides a detailed discussion of the benchmark classification of TE provisions used in Switzerland. The definition of the benchmark tax system is key for TE policy-making as TEs are defined as deviations from the reference or benchmark tax system. Interestingly, and unlike most of the countries worldwide that rely primarily on existing legislation, the benchmark tax system (BTS) for direct taxes in Switzerland is defined based on two theoretically grounded benchmarks: one based on income and an alternative one based consumption.
The lack of reliable and up-to-date information is particularly concerning given the legal framework governing subsidies and TEs. Article 7(g) of the Federal Act on Financial Aids and Compensation Payments (Subsidies Act, SubA) establishes that, in principle, the use of TEs should be avoided. In its 1986 dispatch, the Federal Council explicitly warned that TEs can undermine tax equity, reduce democratic oversight, and escape systematic scrutiny because their fiscal implications are often difficult to quantify. On this note, Article 5 of the SubA requires the federal government to report on TEs every six years as part of its broader subsidy reporting obligations. This requirement has not been fulfilled. The issue has been repeatedly noted by the Federal Council, Parliament, and the Swiss Federal Audit Office (SFAO) and yet, a regular and institutionalized reporting framework has still not been established.
The current estimate of more than CHF 24 billion in TEs on the federal level does not account for the fiscal cost of cantonal TEs. Indeed, at the subnational level, reporting is even more limited with only two significant estimation exercises: a 2011 study conducted by the FTA on personal income-related TEs in the canton of Zug, and a 2025 review of personal income tax (PIT) related TEs published by the canton of Zürich. No canton has established a recurring TE reporting framework. Furthermore, no federal or cantonal estimation exercise currently provides estimates of TEs granted through corporate income tax (CIT), despite the growing importance of tax incentives in the CIT system.
Based on the limited available data from 2011, one can observe that the composition of Swiss TEs is highly concentrated. The ten largest federal provisions account for approximately CHF 16.1 billion, or roughly 63 percent of total reported federal revenue forgone. The largest single provision is the deduction for mandatory second-pillar pension contributions under PIT, estimated at CHF 3.5 billion annually. Other major provisions include the reduced VAT rate on food, plants, and printed products (CHF 2.2 billion), VAT exemptions for real estate transactions and rentals (CHF 2.0 billion), and VAT exemptions for social and health services (CHF 1.9 billion).
Beyond transparency concerns, the absence of robust information undermines the evaluation of TE effectiveness. Switzerland lags significantly behind international standards in this area. There is currently no formal TE evaluation framework providing guidance on ex-ante assessments, ex post evaluations, governance arrangements, or data-sharing procedures. As a result, policymakers often lack the evidence necessary to determine whether TEs represent value for money and achieve their intended objectives; or are ineffective, too costly or generate unintended distributional and economic effects. The combination of weak reporting practices and limited access to administrative tax data has contributed to a striking lack of official ex-post evaluations.
The situation is somewhat more encouraging regarding ex ante assessments. Federal institutions regularly prepare ad hoc analyses in response to parliamentary requests and legislative initiatives. These assessments frequently provide valuable information on the expected fiscal and economic effects of proposed TE reforms and play an important role in informing political debate.
TEs remain high-up in the political debate and reform agendas. Recent years have seen numerous legislative initiatives involving reduced VAT rates, PIT deductions, inheritance and gift tax exemptions, and CIT incentives. Examples include the extension of the lower VAT rate for accommodation services until 2035 (just voted down by the National Council and now with the Council of States), repeated debates on the deductibility of childcare expenses and Pillar 3a contributions, and discussions surrounding cantonal inheritance and gift tax exemptions. In the CIT field, the introduction of patent boxes and research and development (R&D) super-deductions at the cantonal level illustrates the dynamics of TE policy-making involving different tiers of government as this has been triggered by the Federal Act on Tax Reform and AHV Financing (TRAF).
Peter Hongler is a professor of tax law at the University of St. Gallen.
Agustin Redonda is a Senior Fellow with the Council on Economic Policies (CEP), where he leads CEP’s work on
tax expenditures and tax incentives. He is also the co-founder and co-director of the Tax Expenditures Lab, which
hosts the Global Tax Expenditures Database (GTED) and the Global Tax Expenditures Transparency Index (GTETI).
This study examines the relationship between the green transition and female employment in Rwanda’s construction sector, influenced by sustainability policies such as the Green Building Code. Using a firm-level survey conducted in Kigali in 2024, we analyze data from 545 firms across the construction value chain, employing a Green Index to quantify firms’ sustainability practices. The empirical analysis relies on OLS IV estimation to address potential endogeneity concerns. Our findings indicate a positive association between green practices and female employment shares, particularly in permanent roles, suggesting that sustainability-driven transformations can contribute to more equitable labor market outcomes. The study further highlights sectoral heterogeneity, with supplier and construction firms showing the strongest employment gains for women. Government initiatives enhance these effects, highlighting the importance of coherent policy frameworks. However, the role of managerial attitudes remains unclear, indicating a need for further research on organizational dynamics. The analysis also highlights disparities in access to green training, with female-managed firms less likely to receive training, potentially limiting their ability to benefit from green transitions. These findings provide insights for policymakers aiming to align green transition policies with gender-inclusive economic development in Rwanda and the broader context of Sub-Saharan Africa (SSA).
The 2026 US–Israel–Iran war has produced what the International Energy Agency describes as the largest supply disruption in the history of the global oil market. Brent crude rose from around $70 at the end of February to a peak of about $140 in early April before settling around $100 as of early June 2026. In a new Brief Andy Sumner and Stephan Klingebiel argue that the significance of the oil shock lies not only in the price increase itself but in its timing.
The 2026 US–Israel–Iran war has produced what the International Energy Agency describes as the largest supply disruption in the history of the global oil market. Brent crude rose from around $70 at the end of February to a peak of about $140 in early April before settling around $100 as of early June 2026. In a new Brief we argue that the significance of the oil shock lies not only in the price increase itself but in its timing.
The 2026 US–Israel–Iran war has produced what the International Energy Agency describes as the largest supply disruption in the history of the global oil market. Brent crude rose from around $70 at the end of February to a peak of about $140 in early April before settling around $100 as of early June 2026. In a new Brief we argue that the significance of the oil shock lies not only in the price increase itself but in its timing.
Environmental change can affect social contracts, which are the relationships between societal groups and between such groups and the state. Droughts, river pollution and rising sea levels often change the distribution of resources within countries or harm some societal groups more than others, raising questions about compensation. Social contracts can also trigger environmental change, mainly because the environment and future generations cannot themselves participate in social contract negotiations. Many social contracts allow influential elites to overuse or pollute natural resources, harming the environment, other societal groups and future generations. Drawing on existing social contract and environmental governance research, this introductory article develops a conceptual approach for analyzing the bidirectional effects between the environment and the relations between different parts of society and the state. It presents different types of interaction using multiple examples. This approach helps to identify starting points for the negotiation of more sustainable and inclusive social contracts.
The international development debate is increasingly referring to the notion of the “social contract”. In this paper, we measure what governments give societies, a core element of social contracts. To enable social contract comparison across countries and over time, we develop indices to capture the three “Ps”: protection against internal and external threats, provision of social and economic services, and political participation. These indices are composed of indicators, which are mainly input variables to gauge the willingness of governments to deliver the three Ps. Subsequently, we calculate the values of 154 countries for the three indices around the year 2019. The results show that the indices are useful and valid. They highly correlate with each other and with other indicators such as per capita income and the Human Development Index. Yet, these correlations are not perfect, meaning that the indices are not another redundant development index. They add information and value. Finally, we make a first step in identifying patterns in the results. Countries in Latin America were doing comparatively well on average in terms of political participation in 2019. When controlling for per capita income, governments in sub-Saharan Africa, were delivering disproportionately more on average in terms of protection and political participation, but less so in terms of provision. Countries in the Middle East and North Africa fail mainly with regard to political participation.
Bonn, 15. Juni 2026. Der diesjährige Welttag zur Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre am 17. Juni fällt in das Internationale Jahr der Weidelandschaften und Pastoralisten. Dies bietet einen guten Anlass, um auf die wichtige Rolle der pastoralen Bewirtschaftung von Weidelandschaften für eine nachhaltige (ländliche) Entwicklung aufmerksam zu machen.
Unter Pastoralismus versteht man die Haltung von Nutztieren, die nicht ausschließlich an eine feste Hofstätte gebunden sind, sondern zumindest teilweise (während eines Teils des Jahres und/oder mit einem Teil der Herden) in der Landschaft umherziehen, um Futter (Gras) zu finden.
Das Internationale Jahr der Weidelandschaften und Pastoralisten steht unter dem Motto „Anerkennen, Respektieren und Wiederherstellen“. Der erste Schritt – das Anerkennen – besteht darin, die Bedeutung des Pastoralismus sichtbarer zu machen. Angesichts seiner Beiträge zur Ernährungssicherung, zum Erhalt der biologischen Vielfalt, zum Klimaschutz und zur ländlichen Entwicklung ist diese Anerkennung überfällig. Tatsächlich ist natürliches Dauergrünland (Gras ist die typische Vegetationsdecke von Weidelandschaften) mit mehr als 3,2 Milliarden Hektar nach Wäldern die zweitgrößte Vegetationsform der Erde, und es bedeckt etwa doppelt so viel Fläche wie Ackerland. Weltweit leben – je nach Definition – 200 bis 500 Millionen Menschen vom Pastoralismus. Sie leisten einen erheblichen Beitrag zur weltweiten Fleischproduktion; darüber hinaus liefern sie Milch, Häute, Dung und weitere Produkte. In einigen afrikanischen Ländern, etwa Somalia, bildet Pastoralismus sogar das Rückgrat der Wirtschaft.
Die Bedeutung von Weidelandschaften geht jedoch weit über ihre wirtschaftliche Funktion hinaus. Grasland speichert Kohlenstoff, schützt Böden, reguliert den Wasserhaushalt und fördert biologische Vielfalt. Je nach Art ihrer Nutzung können diese Funktionen erhalten und sogar verbessert oder aber erheblich beeinträchtigt werden. Nachhaltiger Pastoralismus orientiert sich an der verfügbaren Vegetation in der Landschaft, vermeidet Überweidung und ermöglicht dadurch die Regeneration der Vegetation einschließlich etwaiger Bäume. Zudem treten die Tiere Gras in den Boden ein und erhöhen so seinen Gehalt an organischem Kohlenstoff. Nicht nachhaltiger Pastoralismus liegt hingegen vor, wenn die Herdengröße zu hoch ist und Überweidung verursacht. Dies führt zur Degradation der Vegetation bis hin zu kahlen Böden. Solche Flächen sind anfällig für Wind- und Wassererosion, Sand- und Staubstürme und verlieren ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher.
Der zweite Schritt – der Respekt – zielt darauf ab, die Leistungen und Potenziale des Pastoralismus zu bewahren. Dabei müssen jedoch auch die bestehenden Herausforderungen klar benannt werden. Traditionell standen Vegetationsangebot und Herdengröße meist im Gleichgewicht; dies geschah unter anderem dadurch, dass in Dürrezeiten Teile der Herden verloren gingen. Heute kann dieses Gleichgewicht auf vielfältige Weise gestört werden. So kann der Verlust von Teilen der Weide- und Ökosystemflächen durch landwirtschaftliche Nutzung den Pastoralisten wichtige dauerhafte, saisonale oder als Reserve genutzte Weideflächen entziehen. Infrastrukturmaßnahmen und Grenzkontrollen können die Wanderbewegungen der Herden einschränken. Die Einrichtung eingezäunter Ranches sowie die Unterteilung von Weidelandschaften für eine intensivere Beweidung kann zwar kurzfristig die Tragfähigkeit erhöhen, gleichzeitig aber – abhängig von Niederschlagsmustern, Vegetation und Bewirtschaftungssystem – die Ökosysteme verändern.
Der dritte Schritt – die Wiederherstellung – muss sich darauf konzentrieren, Entwicklungen zu korrigieren, die Weidelandschaften und die Lebensgrundlagen der Pastoralisten geschwächt haben. Wichtige Maßnahmen sind die Unterstützung der Herdenmobilität, der Schutz von Wanderkorridoren und die Wiederherstellung geeigneter Weideflächen. Landwirtschaftliche Expansion und großflächige Ranchwirtschaft sollten die Interessen von Pastoralisten berücksichtigen. Verbesserungen bei Tiergesundheit, Vermarktung und Infrastruktur können Einkommen steigern und gleichzeitig mit dazu beitragen, Überweidung zu vermeiden. Investitionen in Tiergesundheit können zudem sowohl das Risiko als auch die Angst vor Krankheitsübertragungen und Epidemien verringern und damit die Mobilität der Herden erleichtern.
Der langfristige Trend zur Sesshaftwerdung dürfte dennoch anhalten, da Bildung, Gesundheitsversorgung und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten oft leichter zugänglich sind. Auch Bevölkerungswachstum und Klimawandel setzen pastoralen Systemen Grenzen. Diese Entwicklungen machen eine ausgewogene und standortspezifische Abwägung konkurrierender Interessen umso wichtiger.
Trotz seiner Bedeutung erhält der Pastoralismus oft zu wenig politische Aufmerksamkeit. Entscheidend ist eine stärkere Beteiligung von Pastoralisten an politischen Entscheidungen. Ihre Interessenvertretungen müssen gestärkt und ihre Beteiligungsrechte institutionell verankert werden. Gelingt dies, werden viele der Ziele, die in den Leitbegriffen „Anerkennen, Respektieren und Wiederherstellen“ zum Ausdruck kommen, leichter erreichbar sein. Industrieländer können sowohl im eigenen Land in einigen dieser Bereiche mehr tun als auch ihre Partnerländer dabei unterstützen und ermutigen, solche Maßnahmen zu ergreifen: im politischen Dialog und bei der Projektplanung zu Themen wie ländlicher Entwicklung, Menschenrechten und indigenen Bevölkerungsgruppen, Umweltschutz, wirtschaftlicher Entwicklung, Frieden und Sicherheit, Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung.
International institutions promote policy coherence as crucial to the effective and fair implementation of global sustainability agendas, though the evidence for its benefits is slim. We present here the first systematic cross-country dataset on the consequences of national government efforts to promote policy coherence for vulnerable groups in society. We confirm that coherence is perceived to be beneficial for most groups. However, we find vulnerable groups are largely perceived to bear the brunt of incoherence, while traditionally powerful groups benefit from it in some cases. Based on these findings, we argue that coherence can play an important role in reducing inequality and ensuring countries “Leave No One Behind” in implementing climate and development goals.
Droughts are slow-onset disasters with severe environmental, economic, and social consequences, disproportionately affecting regions with limited resources and institutional capacity, which is further exacerbated by climate change and land use change. Key challenges to effective drought resilience include socioeconomic disparities, fragmented policies, financial constraints, and governance weaknesses. To address these gaps, this study develops indicators for assessing drought preparedness and resilience across different economic contexts. A review of 16 national drought and water policies produced a framework comprising 12 global targets, 45 sub-targets, and 129 indicators aligned with existing international frameworks. Indicators are organized into four thematic focus areas: (i) Fundamental Needs & Agricultural Resilience, (ii) Proactive Monitoring & Crisis Response, (iii) Ecosystem & Resource Sustainability, and (iv) Institutional Strengthening & Financial Resilience. The framework is designed to standardize best practices, improve cooperation, and guide resilience-building across diverse contexts while distilling shared dimensions of preparedness and resilience. The analysis emphasizes the role of SMART (Specific, Measurable, Achievable, Relevant, and Time-bound) indicators in proactive drought management, where governance, leadership, and evidence-based policymaking are as critical as financial and technological resources. It recommends flexible measurement tools and institutionalized assessment mechanisms to track progress and refine strategies, enabling a shift from reactive crisis response to long-term resilience, strengthening accountability and enhancing global drought preparedness.
Climate-induced Loss and Damage (L&D) is becoming a defining challenge for global climate governance, especially in West Africa, where adaptation limits are increasingly surpassed. Yet, the literature has largely overlooked how national governments in Africa conceptualize, operationalize, and govern L&D. Existing studies tend to focus on international finance debates or localized impacts, leaving a gap in understanding the national policy frameworks shaping L&D responses. This paper addresses this gap through a comparative analysis of five West African countries, Burkina Faso, Ghana, Nigeria, Senegal, and Sierra Leone, structured around four thematic dimensions: conceptual clarity, scope and depth of losses, policy integration, and institutional readiness.
Drawing on more than 60 official policy documents, including National Adaptation Plans, disaster frameworks, and climate legislation, the study applies an interpretive scoring framework and proposes a three-stage typology of L&D policy engagement (Nascent, Emerging, Integrated). The results show that Senegal and Ghana fall into the Emerging category, with partial recognition of L&D concepts but limited institutionalization in formal policy architecture. Nigeria, Burkina Faso, and Sierra Leone remain Nascent, where L&D is either subsumed under adaptation and humanitarian action or only referenced anecdotally. No country has yet reached the Integrated stage. Across all five cases, economic losses in agriculture and infrastructure are frequently reported, while non-economic losses such as displacement, cultural erosion, and psychological harm remain weakly specified. Institutional arrangements for L&D are fragmented in national frameworks, suggesting uneven preparedness for engagement with emerging international L&D governance mechanisms, including the Santiago Network and the Fund for responding to Loss and Damage.
The findings suggest that the absence of formal L&D strategies in many national policy documents may limit the visibility of irreversible climate impacts and complicate future claims-making in international arenas. By advancing a systematic baseline of how L&D is framed in national policies and introducing a heuristic typology for cross-country comparison, this study contributes conceptually, empirically, and policy-relevantly to debates on climate justice and the evolving governance of L&D in the Global South.
Key policy insights:
- Non-economic losses remain under-recognized in national climate policies, limiting justice-oriented approaches to L&D governance.
- Stronger integration of L&D across adaptation, disaster risk reduction, and development planning is needed to improve policy coherence and institutional coordination.
- Establishing dedicated L&D focal points, clearer institutional mandates, and links to existing risk-financing instruments could strengthen national engagement with emerging global L&D mechanisms.
- Embedding L&D more explicitly within NDCs, NAPs, and related reporting frameworks could improve strategic positioning within the FRLD and Santiago Network processes.
This report makes a simple case: because the environmental crises we face are intertwined, our responses to them must be integrated. The predominant policy framing of these crises through the lenses of a suite of climate, biodiversity and land or ocean metrics currently obscures the reality of a single nature-climate system that critically determines human wellbeing; the challenge for humanity is to manage this complex system in ways that reduce overall risks. Addressing one crisis within that system (be it climate change,
biodiversity loss or land degradation) won’t stop the others, while addressing them in isolation is both perilous and inefficient.
Bonn, 08. Juni 2026. Jahr für Jahr finden die Bonner Klimaverhandlungen statt. Jahr für Jahr werden Delegierte aus dem Globalen Süden durch Visahürden ausgebremst — und untergraben damit Deutschlands Anspruch auf inklusiven Multilateralismus.
Die 64. Sitzung der UNFCCC-Nebenorgane (SB64) beginnt heute im Bonner World Conference Center. Über 5.000 Delegierte von Regierungen sowie Zivilgesellschaft kommen zusammen, um die COP31 vorzubereiten, die in diesem Jahr in der Türkei stattfindet. Die Nebenorgane sind fundamentaler Bestandteil der globalen Klimadiplomatie: Hier wird die technische Grundlage gelegt, werden Positionen verhandelt und Koalitionen gebildet. Parteidelegierte wie Nicht-Partei-Akteure sind formell gleichberechtigt willkommen — doch Teilnehmende aus dem Globalen Süden sehen sich einer Reihe von Hindernissen gegenüber: Akkreditierung, Reisekosten, Unterkunft und Visa. Die Visa-Barriere ist hier besonders, weil es in der Verantwortung Deutschlands, als Host des UNFCCC-Sekretariats, liegt, diese zu adressieren.
Visahürden für die Beteiligung des Globalen Südens an Klimaverhandlungen sind weder neu noch ein ausschließlich deutsches Problem. Bereits 2008 kritisierte das IIED den Ausschluss von Delegierten aus den vulnerabelsten Ländern von UN-Klimaverhandlungen in Europa aufgrund von Visumverzögerungen. Bei den Bonner Sitzungen SB60 im Jahr 2024 wurden 223 Fälle von Delegierten aus Afrika und Asien dokumentiert, die Schwierigkeiten hatten, rechtzeitig oder überhaupt ein Visum zu erhalten: 25 wurden direkt abgelehnt, 167 Anträge blieben unbearbeitet, und 37 erhielten ihr Visum mit erheblicher Verzögerung — Länder wie Burundi, Kamerun, Ägypten, Marokko und Ruanda waren in den ersten Verhandlungstagen ohne Repräsentanz. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der dokumentierten Fälle auf 298. Zu den wiederkehrenden Ursachen zählen verweigerte Terminvergaben, die Pflicht zur Antragstellung in weit entfernten Drittländern sowie Ablehnungen mit dem Verweis auf angebliche Zweifel an der Rückkehrabsicht. Der Unmut darüber wird regelmäßig in den Abschlusserklärungen der Bonner Sitzungen laut — oder, in weniger diplomatischer Form, vom zivilgesellschaftlichen Netzwerk CAN, das Deutschland auffordert, seinen „Visumkrieg gegen afrikanische Delegierte" zu beenden.
Hinter den oben genannten Zahlen stehen Menschen, meist mit formeller Akkreditierung, konkretem Arbeitsplan und oft vollständiger Finanzierung, die dennoch nicht teilnehmen können. Eine junge Delegierte aus Asien beschreibt es so: „Visumprobleme sind eines der größten Hindernisse für mich. Aus dem Globalen Süden kommend, verbringen wir zwei bis drei Monate damit, immer wieder zur Botschaft zu laufen, Anträge zu stellen, Widerspruch einzulegen. Viele meiner Kolleg*innen haben kein Visum bekommen — obwohl sie vollständig finanziert waren und einen konkreten Plan hatten, wie wir zusammenarbeiten wollten. Sie konnten einfach nicht kommen." Dies ist kein Einzelfall. Es ist eine strukturelle Hürde, die genau jene Stimmen ausschließt — Verhandler*innen aus den vulnerabelsten Ländern, junge Aktivist*innen, Vertreter*innen besonders betroffener Gemeinschaften —, deren Präsenz entscheidend für die Legitimität des multilateralen Klimaprozesses ist.
Das Argument, Visumhürden seien administrativ unvermeidbar, hält einer Überprüfung nicht stand. Die Gastgeberländer der jüngsten COPs in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Aserbaidschan und Brasilien haben allesamt eigene beschleunigte Visumverfahren für akkreditierte UNFCCC-Teilnehmende eingeführt. Entscheidend ist: Auch Schengen-Mitgliedstaaten haben dies getan. Artikel 25 Absatz 1 des Schengener Visakodex erlaubt es Mitgliedstaaten ausdrücklich, Visa auszustellen, wenn „internationale Verpflichtungen" dies erfordern. Für die COP21 in Paris nutzte Frankreich diese Bestimmung, um akkreditierten Teilnehmenden allein auf Grundlage ihres Akkreditierungsschreibens ein Kurzaufenthaltsvisum zu erteilen, ohne die üblichen Begleitdokumente. Für die COP25, die mit kaum vier Wochen Vorlauf von Santiago nach Madrid verlegt wurde, erließ Spanien zentrale Anweisungen an alle 182 seiner Konsulate weltweit, um ein zügiges Visumverfahren zu gewährleisten, und schloss Vereinbarungen mit anderen Schengen-Staaten für Länder ohne spanische Vertretung.
Im Vorfeld der Verhandlungen dieses Jahr erinnern über 80 unterzeichnende Organisationen — von Amnesty International bis zur Zimbabwe People's Land Rights Movement — Deutschland als Gastgeber der Bonner Sitzungen in einem offenen Brief daran, dass die Glaubwürdigkeit multilateraler Prozesse davon abhängt, wer im Raum sitzt. Inklusiver Multilateralismus ist nicht nur eine Frage dessen, was verhandelt wird — sondern auch, wer verhandelt. Deutschland trägt als Gastgeber verschiedener UN Organisationen, vom UNFCCC-Sekretariats über UNDP und UN Women eine besondere Verantwortung dafür, dass seine Konsulate nicht zur ersten Hürde für legitimes globales Regieren werden — und für das Vertrauen der Partner, auf die es angewiesen ist. Die Lösungen existieren. Die Präzedenzfälle existieren. Was noch zu fehlen scheint, ist der politische Wille zu handeln.
Bonn, 3. Juni 2026. In vielen Ländern nehmen Armut und Ungleichheit zu. Investitionen in die soziale Absicherung sind vermutlich das einzige Gegenmittel.
In den vergangenen Jahrzehnten ist der Anteil der Menschen weltweit, die in extremer Armut leben, gesunken – mit Ausnahme der Zeit unmittelbar nach der Corona-Pandemie. Doch zuletzt stieg die absolute Zahl der in Armut lebenden Menschen wieder leicht an, und sie wird voraussichtlich nach 2030 weiter wachsen. Dies hat verschiedene Ursachen, u.a. die wachsende Zahl von Konflikten und extremen Wetterereignissen weltweit sowie die wirtschaftliche Stagnation vieler Länder. Zugleich bleiben die Ungleichheit und die Zahl hungernder Menschen weltweit groß und nehmen in vielen Ländern sogar zu.
Diese beunruhigenden Prognosen zeigen an, dass die globalen Anstrengungen im Kampf gegen Armut, Hunger und Ungleichheit verstärkt werden müssen. Es ist daher sehr zu begrüßen, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) diesen Kampf in seinem jüngsten Reformplan als erstes von vier Zielen beibehalten hat. Weniger klar ist allerdings, mit welchen Instrumenten das Ziel erreicht werden soll. Ohne soziale Sicherung, wozu beitragsfinanzierte Sozialversicherungen und steuerfinanzierte Programme wie Geldtransfers oder Cash-for-Work gehören, wird dies nicht möglich sein. Die Erfahrungen von Ländern weltweit zeigen, dass soziale Sicherung entscheidend für die Bekämpfung von Armut, Hunger und Ungleichheit ist. Nicht von ungefähr nennen die Vereinten Nationen sie als ersten Politikbereich unter dem ersten ihrer Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), welches sich mit der Beseitigung von Armut befasst. Das BMZ plant hingegen, sein Engagement für die soziale Sicherung in vielen seiner Partnerländer auslaufen zu lassen.
Wissenschaftler*innen der Tulane-Universität haben Belege erbracht, dass die meisten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen Armut und Ungleichheit vor allem durch steuerfinanzierte Programme für soziale Sicherung, Gesundheit und Bildung verringern konnten. Das Gleiche wurde zuvor auch schon für Länder mit hohem Einkommen festgestellt. Selbst China hätte seine bemerkenswerte Armutsbekämpfung nicht erreicht, wenn es seine tiefgreifende wirtschaftliche Transformation nicht mit Umverteilungsmaßnahmen wie Landreformen und auf die Armen ausgerichteten Programmen der sozialen Sicherung kombiniert hätte. Laut Berichten der Weltbank wird der Anteil der Menschen in extremer Armut weltweit in den nächsten 20 Jahren nicht unter 3 % sinken, wenn die einzelnen Länder nicht verstärkt Einkommen durch Steuererhöhungen und eine Stärkung der sozialen Sicherung umverteilen.
Wirtschaftswachstum alleine reicht nicht aus, wie der diesjährige Bericht des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen für extreme Armut und Menschenrechte betont. Es verringert Armut nur begrenzt, insbesondere dort, wo es mit hoher Ungleichheit einhergeht oder auf Rohstoffabbau oder kapitalintensiven Produktionsweisen beruht. Derartige Muster sind vor allem in Subsahara-Afrika weit verbreitet, beispielsweise in Nigeria und Südafrika.
Noch stärker gilt dies für die mehrdimensionale Armut. Sie ist in den vergangenen Jahrzehnten weitaus weniger zurückgegangen als die Einkommensarmut, insbesondere in Subsahara-Afrika. So hat Wirtschaftswachstum kaum Auswirkungen auf die nicht-monetären Dimensionen von Armut in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Wirtschaftswachstum kann Armut und Hunger nur dann nachhaltig bekämpfen, wenn es arbeitsintensiv ist und durch Investitionen in soziale Sicherung, Bildung und Gesundheit unterstützt wird – bzw. wenn diese sogar vorausgehen. Insbesondere steuerfinanzierte Programme wie Geldtransfers sind unerlässlich, um sog. pockets of poverty zu erreichen, d. h. diejenigen, die nicht vom Wirtschaftswachstum profitieren. Dazu zählen Menschen in abgelegenen Gebieten, mit geringer Bildung und Ausbildung oder gesundheitlichen Einschränkungen sowie ältere Menschen. Entgegen manchmal vorgebrachter Bedenken halten solche Programme der sozialen Sicherung ihre Nutznießer nicht von der Arbeit ab.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sollte daher Länder in Krisensituationen oder mit niedrigem Prokopfeinkommen dabei unterstützen, verlässliche und gut ausgerichtete steuerfinanzierte Programme der sozialen Sicherung auf- und auszubauen, anstatt ihr Engagement für soziale Sicherung zu reduzieren. Andere Instrumente wie die Sozialversicherung sind ebenfalls nützlich, helfen aber Menschen mit geringem Einkommen nicht, da diese keine Sozialbeiträge zahlen können, insbesondere wenn sie ihren Lebensunterhalt aus informeller, unsicherer Beschäftigung bestreiten.
In die soziale Sicherung zu investieren bedeutet nicht zwangsläufig, dass Geberländer wie Deutschland die Geldtransfers selbst finanzieren. Im Rahmen technischer Zusammenarbeit können sie die Partnerländer dabei unterstützen, überhaupt stabile Systeme der sozialen Sicherung aufzubauen. Im Idealfall sollten diese in den nationalen Verfassungen oder anderen Rechtswerken verankert sein, damit alle Menschen Sicherheit darüber haben, welche Leistungen ihnen wann zustehen. Nur wenn sie sich auf den langfristigen Fortbestand der sozialen Sicherungssysteme verlassen können, sind sie bereit, in Humankapital und produktive Aktivitäten zu investieren, um so ihren Wohlstand langfristig zu verbessern. Nur dann kann soziale Sicherung ihr Potenzial bei der Förderung der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in allen Teilen der Welt voll entfalten.
After World War II, countries in the Middle East and North Africa (MENA) started from low levels of socioeconomic development. Especially health indicators were worse than in most other world regions. This changed drastically when MENA countries became independent and started to invest into the social protection of citizens against health risks. They built up powerful social health insurance schemes, and today, many of their health indicators are almost on the same level as in Europe or North America. During the 1980s and 1990, however, most MENA governments reduced healthcare spending again as an element of structural adjustment programs, and focused increasingly on health services that are particularly important for the urban upper and middle classes, their main allies in society, but not so much for the poor. Therefore, MENA health systems suffer again from significant deficits regarding fairness, efficiency, and effectiveness. Financial, legal, and geographical obstacles restrict access for large parts of the population. The coexistence of multiple social protection schemes for different population groups reflects and intensifies already existing social inequalities. Deficits in quality and tidiness and the prevalence of informal fees charged for “good” treatment reduce further the value of public health services. Efficiency suffers from irrational prioritizations in fund allocation and from a lack of customer orientation. And the effects of MENA health systems, although not really bad, could still be better, which has become more than obvious during the recent COVID-19 pandemic.